Medizinischer Aschermittwoch am 26, Februar in München

medizinischer aschermittwoch 2020

„Heilen und Pflegen zwischen Ethik und Profit"

Der Medizinische Aschermittwoch 2020 ist eine ärztliche, pflegerische und soziale Antwort auf die Krankheiten der Politik.

Wie können wir eine menschliche Medizin und Pflege sicherstellen und das gesellschaftliche Miteinander so gestalten, dass keiner zurückbleibt? Das fragen sich gegenwärtig alle, die im Gesundheitswesen tätig sind und sich dabei ein Gewissen machen. Krankheit als Geschäft macht krank und nicht gesund. Heilkunst wie Krankenpflege und die soziale Arbeit dienen dem einzelnen Menschen und einer gesunden Gesellschaft. Die Pflege des sozialen Bindegewebes stellt eine Herausforderung dar, um die sich der Klamauk des Politischen Aschermittwochs gerade nicht kümmert.

Der Politische Aschermittwoch wird als Gaudi inszeniert. Mit Volksbelustigung und gegenseitiger Häme versuchen die Mächtigen der Parteien von den eigentlichen Sorgen und Nöten der Menschen abzulenken. Dieses derbe Theater entspricht nicht dem Geist des Aschermittwochs als Tag der Besinnung und der inneren Umkehr. Daher stellen wir eine Veranstaltung mit Ernsthaftigkeit, Redlichkeit und Demut dagegen: den Medizinischen Aschermittwoch.

Impulsvorträge:

Prof. Tobias Esch (Uni Witten Herdecke): "Das Potential der Selbstfürsorge für eine personenorientierte, menschliche Medizin"

Barbara Steffens (frühere Gesundheitsministerin NRW): "Die soziale Krankenversicherung als Garant einer menschlichen Gesellschaft"

Dr. Ellis Huber, Vorsitzender des Berufsverbandes der Präventologen: "Das Gesundheitswesen als sozialer Organismus und lebendiges Netzwerk"

Begrüßung: Karin Majewski, Geschäftsführung Der Paritätische Oberbayern

Moderation: Dorothée Remmler-Bellen, Wolf Kurzenhäuser

Der Eintritt ist kostenlos.

Wir veranstalten einen offenen Dialog über Medizin, Pflege und soziale Arbeit, sprechen über Heilkunst, gute Alten- und Krankenpflege, Politik, Gesundheitswirtschaft und die Erwartungen wie Hoffnungen der Menschen. Was kann, was muss jetzt getan werden, damit das Gesundheitssystem seine Aufgabe erfüllen kann? Wir blicken bescheiden und zuversichtlich in eine Zukunft, die besser sein soll als die bestehenden Verhältnisse.

Prof. Dr. med. Tobias Esch ist Allgemeinmediziner, Neurowissenschaftler, Gesundheitsforscher, Pionier einer ganzheitlichen Allgemeinmedizin und Experte für die Neurobiologie des Glücks. Er prägte die Integrative Gesundheitsförderung in Deutschland und ist Gastprofessor an der Harvard Medical School sowie assoziierter Neurowissenschaftler an der State University von New York. Seit 2016 forscht und lehrt er als Professor für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung an der Universität Witten/Herdecke. Die praktische Umsetzung einer patientenorientierten und ganzheitlich handelnden ambulanten Versorgung ist ihm als Leiter der dortigen „Universitätsambulanz für integrative Gesundheitsversorgung und Naturheilkunde“ ein besonderes Anliegen.

Bücher:
Zusammen mit Eckart von Hirschhausen: „Die bessere Hälfte. Worauf wir uns mitten im Leben freuen können.“ (2018) Rowohlt, Reinbek bei Hamburg
„Der Selbstheilungscode. Die Neurobiologie von Gesundheit und Zufriedenheit.“ (2017) Beltz Verlag, Weinheim
„Die Neurobiologie des Glücks. Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert.“ (2017) 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
Zusammen mit Sonja Maren Esch: „Stressbewältigung – Mind-Body-Medizin, Achtsamkeit, Selbstfürsorge. (2016) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2. Auflage, Berlin

Dr. med. Ellis Huber blickt auf ein jahrzehntelanges Engagement in der Gesundheitspolitik zurück. Als ehemaliger Grüner Gesundheitsdezernent in Berlin, Präsident der Ärztekammer Berlin und Vorstand der Securvita BKK und als Vorstandsmitglied des PARITÄTISCHEN, Landesverband Berlin e.V. seit 1994 und Vorsitzender des Berufsverbandes der Präventologen e.V. seit 2007 setzt er sich für ein soziales Gesundheitssystem und die Gesundheitskompetenz von Patienten ein. Mit Vorträgen, Seminaren und Lehraufträgen „missioniert“ er für eine beziehungsstarke Medizin und Pflege nach der Devise: „Liebe statt Valium“.

Bücher:
„Handeln statt schlucken - Ein Arzt gibt Auskunft.“ (1993) Quintessenz Verlag, Ed. Q, Berlin.
„Liebe statt Valium. Konzepte für eine neue Gesundheitsreform.“ (1995) Knaur Taschenbuchverlag, München
Zusammen mit Kurt Langbein: „Die Gesundheitsrevolution. Radikale Wege aus der Krise – was Patienten wissen müssen.“ (2004) Aufbau-Verlag, Berlin

Barbara Steffens hat sich als Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), Politische Geschäftsführerin und Sprecherin des Landesvorstandes der Grünen NRW, Mitglied des Parteirates des Bundesverbandes der Grünen bis 2000 und als Landtagsabgeordnete von 2000 bis 2013 und von 2017 bis 2018 des Landes Nordrhein-Westfalen insbesondere für eine menschliche Medizin und Krankenpflege engagiert. Als Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter von 2010 bis 2017 setzte sie zahlreiche Innovationen einer patientennahen und bevölkerungsbezogenen Gesundheitsversorgung und Pflege durch. Seit 2018 leitet sie Landesvertretung Nordrhein-Westfalen der Techniker Krankenkasse. Ihre Leidenschaft für eine gute Gesundheitsversorgung setzt sie jetzt als Führungskraft einer Sozialen Krankenversicherung um. Es geht ihr um gesellschaftliche Solidarität und ein Gesundheits- und Pflegesystem, das individuell und gesellschaftlich effizient, wirksam und ökonomisch sinnvoll die Versorgung sicherstellt.

Medizinischer und Politischer Aschermittwoch

Der Aschermittwoch beendet die Faschingsfreuden. Die Fastentage beginnen. Sie dienen der Buße und Rückbesinnung des Menschen auf das Wesentliche: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!"

Der politische Aschermittwoch ist dazu das genaue Gegenteil. Bissige Politiker, brüllende Redner, Bierdunst und schunkelnde Leute. Die Politik produziert ein Gaudium zu Bier und Rausch. In der Passauer Dreiländerhalle, im Landshuter Bernlochner-Saal, im Wolferstetter Keller zu Vilshofen oder die Stadthalle von Dingolfing liefern das entsprechende Ambiente. Laut, selbstgerecht, überheblich und unfair im Umgang mit den Anderen wird inszeniert. Selbstbeweihräucherung ersetzt alle Nachdenklichkeit.

Der Aschermittwoch mahnt zur Bescheidenheit und Demut. Das auf die Stirn gesetzte Kreuz aus Asche erinnert daran, das wir Menschen klein sind gegenüber den Wundern des Lebens, dass wir uns gegenseitig achten und miteinander kooperieren sollten: für eine menschliche und liebevolle Welt. Das Ringen um eine gesunde Gesellschaft braucht Leidenschaft und Mut. Wir müssen umkehren und das Gesundheitswesen von der Gewalt der Geldgier und der Machtbesessenheit befreien.

Der Journalist Heribert Prantl schreibt in der Süddeutschen Zeitung in bewegenden Worten, was der Aschermittwoch der Politik und uns allen zu sagen hat: „Kaufleute und Betriebswirtschaftler haben aus der Medizin eine Industrie gemacht; sie haben die Krankenbehandlung ökonomisiert. Das bekommt den Ärztinnen und Ärzten nicht, den Pflegerinnen und Pflegern nicht, den Patienten auch nicht. Für Kranke sind Faktoren wichtig, die in betriebswirtschaftlichen Programmen keine oder kaum eine Rolle spielen: Zeit, Geborgenheit - und, ja manchmal, auch wenn es altmodisch klingt: Barmherzigkeit. Von einem Oberarzt habe ich den Satz gehört: "In dem Augenblick, in dem ärztliche Fürsorge vorrangig dem Profit dient, egal ob dem eigenen oder einem fremden, hat er die wahre Fürsorge verraten." Ich denke, er hat recht.“

Prantl warnt in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vor einem Gesundheitssystem, „in dem das Geld nicht mehr ein Mittel zum Zweck der Versorgung von Kranken ist, sondern die Versorgung von Kranken ein Mittel ist zum Zweck der Gewinnerzielung. Ein solches System ist krank. Es gehört radikal umgekehrt. (...) Das Gesundheitswesen darf keine Fabrik sein, in der das Wichtigste ist, dass dort Geld gemacht wird. Genau das ist jedoch passiert. Und das Trauerspiel ist, dass gerade diejenigen, die mit ihrer Arbeit heilen und helfen wollen, es oft nicht mehr aushalten, selbst krank werden oder, so sie die Gelegenheit haben, abwandern dahin, wo die Bedingungen besser sind. Es geht nicht um schnelle Nummern, es geht um Menschen. Das Krankenhaus wie die Arztpraxis muss ein Ort sein und bleiben, in dem geheilt wird. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Um diese Würde geht es im Krankenhaus, um die Würde im Leben und im Sterben. Jede Gesundheitsreform muss sie achten und schützen.“

Sind wir mutig und tapfer genug, um Barmherzigkeit, Güte und Menschlichkeit im Gesundheitswesen gegen die Interessen des Kapitals durchzusetzen und das Vertrauen der Menschen in uns zu achten? Das fragen wir auf dem Medizinischen Aschermittwoch und das diskutieren wir mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der Aschermittwoch erinnert an die Ohnmacht der Mediziner und er mahnt zu einer Heilkunde, Pflege und sozialen Arbeit, die das Sein verfolgt und nicht vom Haben pervertiert wird.

Die Medizin einer expandierenden Gesundheitswirtschaft ist ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor in Deutschland, einer Wirtschaft allerdings, die den Menschen und das Menschliche dem Profit unterordnet. Mit Bescheidenheit, Demut und Liebe lassen sich halt keine Geschäfte machen. Die Medizin ist aber keine Wirtschaftsbranche wie jede andere. Stetiges Wachstum in der Medizin, formuliert der Mediziner Werner Bartens, sei ein Zeichen von Krebs und kein Erfolg.

Veranstalter:

Der Paritätische in Bayern, Bezirksverband Oberbayern
Berufsverband der Präventologen e.V. Berlin
Stiftung "ganzheitlich gesund!" - Stiftung bürgerlichen Rechts, München
Medizin und Menschlichkeit e.V. München

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