
Hitze ist längst nicht mehr nur ein Wetterphänomen des Sommers, sondern eine zunehmende Herausforderung für Gesundheit, Wohlbefinden und gesellschaftliches Leben. Besonders ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte sowie Menschen in belastenden Arbeits- und Lebenssituationen sind durch hohe Temperaturen gefährdet. Umso wichtiger ist es, Hitzekompetenz zu stärken – also das Wissen darüber, wie wir uns selbst und andere vor gesundheitlichen Folgen von Hitze schützen können.
Mit dem vorliegenden Hitze-Alphabet mit Hitzeschutz-Tipps von A wie Aktivität über H wie Hautschutz bis Z wie Zusammenhalt möchte der Berufsverband der Präventologen e.V. einen leicht verständlichen, praxisnahen und alltagsorientierten Beitrag zur Gesundheitsförderung und Prävention leisten. Unser Anliegen ist es, Menschen zu sensibilisieren, Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Präventionswissen verständlich und lebensnah zu vermitteln.
Nutzen Sie unser Hitze-Alphabet in der Hitzeschutzberatung, bei Hitzeschulungen in Betrieben und Schulen, zur Aufklärung der Bevölkerung, in Klimasprechstunden sowie unterstützend in Vorträgen, Workshops und Bildungsangeboten.
Das Hitze-Alphabet von A bis Z
Tipps des Berufsverbandes der Präventologen e.V.
Aktivität: Einen Gang runterschalten
Die Anpassung unserer Tagesaktivitäten an die Hitze ist von entscheidender Bedeutung für unseren Gesundheitsschutz. Die Verlagerung von körperlich anstrengenden Tätigkeiten in die kühlen Morgen- und Abendstunden ist eine der wichtigsten Maßnahmen.
Hitze ist für den Körper eine starke Herausforderung. Unser Organismus muss bei hohen Außentemperaturen Höchstleistungen erbringen, um die eigene Körpertemperatur konstant zu halten. Es kann zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten kommen, die Erschöpfung, Muskelkrämpfe, Kreislaufschwäche oder in schweren Fällen auch Hitzeschäden nach sich ziehen können
Tipps
- Vermeiden Sie schwere körperliche Arbeit und sportliche Aktivitäten in der Zeit der höchsten Hitze zwischen 11 und 15 Uhr
- Sportliche Betätigung sollte bei Temperaturen über 30°C vermieden oder stark reduziert werden
- Verlegen Sie Ihre Aktivitäten in gekühlte Räume und nutzen Sie das Fitnessstudio oder ein Home-Training
- Statt auf Höchstleistung zu trainieren gönnen Sie sich lieber kleinere Trainingseinheiten oder wechseln Sie die Sportart: Radfahren, Yoga oder Nordic Walking sind gute Alternativen
- Bevorzugen Sie Aktivitäten am Wasser oder schattige Waldspaziergänge
- Gönnen Sie sich ein Picknick oder eine Auszeit im schattigen Park
Bildung: Hitzeschutz in Schulen
Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Hitzebelastung – ihr Körper reguliert die Temperatur weniger effizient als bei Erwachsenen. Überhitzte Klassenzimmer erhöhen das Risiko für Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit und im Extremfall Hitzschlag. Ab etwa 26–28 °C Raumtemperatur sinkt die Konzentrationsfähigkeit messbar. Schüler werden müde, unaufmerksam und weniger aufnahmefähig.
Studien zeigen, dass schulische Leistungen bei hohen Temperaturen deutlich nachlassen. Ohne angemessenen Hitzeschutz leidet nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch der Bildungserfolg. Um Schüler, Schülerinnen aber auch alle Beschäftigten in Schulen vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Hitze zu schützen, sind Hitzekompetenz, Vorsorge und eine Anpassung des Schulbetriebs erforderlich.
Tipps
- Lern- und Pausenzeiten sollten an den Temperaturverlauf des Tages angepasst werden
- Frühmorgens und abends lüften, solange die Außentemperatur niedriger ist als innen
- Trinken fördern: Wasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen bereitstellen; Trinkpausen in den Unterricht einbauen. Kinder spüren Durst oft weniger als Erwachsene
- Sport und Anstrengung in die Morgenstunden verlegen – möglichst vor 11 Uhr – oder in den Wald bzw. ins Schwimmbad ausweichen
- Auf Sonnenschutz bei Unterricht im Freien achten
- Wärmequellen reduzieren: nicht benötigte Elektrogeräte ausschalten, Stand-by vermeiden
Coole Getränke: Kühle Drinks für kühlen Kopf
Die ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 Liter pro Tag) bei Hitze ist essentiell. Regelmäßiges Trinken, auch ohne Durstgefühl, ist entscheidend, um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen und fit durch die Hitze zu kommen. Am besten geeignet sind Leitungswasser, Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees oder Fruchtschorlen. Zuckerhaltige Getränke, wie Limonaden und auch Alkohol sind zu vermeiden. Eiskalte Getränke können zu Magenproblemen führen und belasten zusätzlich den Kreislauf. Deshalb sind kühle Getränke mit einer Temperatur um 10° Celsius zu bevorzugen.
Tipps
- Wasser aromatisieren mit Zitronen- oder Orangenscheiben, dazu Gurkenscheiben und Minzblätter geben
- Frisch zubereiteten und abgekühlten Hagebuttentee mit Orangen- und Zitronensaft und etwas Honig verfeinern
- Halbierte Erdbeeren mit Wasser aufgießen und Basilikumblätter für süßlich-erfrischenden Geschmack dazugeben
- Grünen Tee zubereiten und abgekühlt Wassermelonenstücke und Zitronensaft zufügen
- Gekühlte Buttermilch mit gehackter Minze und etwas Limettensaft mixen
- Ein Mix aus Wasser, etwas Apfelessig und Honig sowie einige Ingwerstückchen wirkt belebend und stärkend
- DIY-Elektrolytgetränk aus 2 Teilen Wasser, 1 Teil Apfelsaft und 1 Prise Salz hilft gegen Elektrolyt- und Mineralienverlust durch Schwitzen
Druck auf die Psyche: Hitze stresst
Hitze ist nicht nur eine körperliche Belastung, sondern wirkt als Stressor direkt auf unser Gehirn und unsere Psyche. Emotional verstärkt gefordert nimmt die Impulskontrolle ab, es steigern sich Gereiztheit und Aggressionsbereitschaft. Das Gehirn kann bei Temperaturen über 30 °C weniger leisten. Die kognitive Leistungsfähigkeit lässt nach, denn das Gehirn benötigt viel Energie für die Kühlung des Körpers. Denkblockaden und Fehleranfälligkeit stellen sich ein. Durch hitzebedingten Schlafmangel können Angstzustände, Antriebslosigkeit und depressive Zustände zunehmen.
Tipps
- Reduzieren Sie das Arbeitspensum oder organisieren Sie um
- Setzen Sie „Hitze-Prioritäten“: komplexe Aufgaben morgens, nachmittags eher Routinearbeiten
- Vermeiden Sie Reizüberflutung, z.B. durch laute Musik oder lange Handy-Zeit
- Gönnen Sie sich Pausen zwischen 14 und 16 Uhr oder einen kurzen Powernap von maximal 20 Minuten
- Setzen Sie bewusstes Atmen oder kühlende Yoga-Atmung ein
- Kühlen Sie Handgelenke und Nacken und gehen Sie barfuß
- Erhöhen Sie Ihre Aufmerksamkeit gegenüber psychischen Veränderungen bei Menschen im näheren Umfeld
- Seien Sie nachsichtig mit sich und anderen und nutzen Sie Entspannungstechniken im Alltag

